Forum Allgemein Off Topic Die Tasterturakrobaten



Gemüsedealer Fr 12. Okt 2018, 09:09
Hallo Leute,
gestern ist mir etwas in World of Warcraft passiert, was jedem Pc-Spieler mal passiert ist. Man wurde zum ehrenhaften Duell herausgefordert und man lehnt freundlich ab, da das Interesse so groß ist wie sich ein Furunkel aufschneiden zu lassen. Doch der Herausforderer läuft einem hinterher und stellt sich physisch auf alles drauf womit ich interagieren will. Endeffekt ist das ich wieder auf seinen grotesken Charakter klicken muss, da er meine Ziele mit sich überdeckt. Irgendwann schreibt mir das ich ein Feigling bin und ich erwider ihm ob er auch im echten Leben sich auf meinen Schreibtisch setzten würde und da sitzen bleibt bis Wir uns prügeln. Danach zog er von Dannen.
So oder so ähnliches ist 100% jedem Videospielspieler mal passiert. Doch wieso? Wieso verhalten sich Menschen so komisch in manchen Situationen? Dieser Frage versuche ich auf den Grund zu gehen, also lehnt euch zurück mit Bier vom Braufest und horcht dem kleinen Ausflug in Psychologie und Spieldesign für Videospiele.

Bartels Taxonomie
Im Jahr 1978 hat ein Mann Namens Bartels die erste Mod programmiert. Anfang der 90. Jahre begann das Zeitalter der MMO Games( englisches Kürzel für Massives Multi Spieler Online) und damit die Frage warum. Warum spielt man mein Spiel? Warum spielen wir überhaupt Videospiele? Damit hat sich Bartels beschäftigt. Er hat eine Taxonomie erstellt. Dies ist ein wissenschaftliches Verfahren mit dem Objekte klassifiziert werden. Wir kennen es aus der Biologie mit Rasse, Art, Unterart und Spezies, das gleiche nur für Videospiele. Und da sagt noch einer das sei keine Kunst oder Handwerk, aber dies steht auf einem anderen Blatt. Bartels konnte die Spieler in Vier Kategorien einordnen. Ich werde englische Begriffe für die Typen verwenden, da bei einer Übersetzung man den Kontext falsch verstehen könnte.

DER KILLER
Der Killer oder, auf Deutsch auch Mörder, spielt das Spiel aus dem Grund andere zu töten. Er liebt das Gefühl dem anderen überlegen zu sein. Nichts macht ihm mehr Freude als vom Opfer zu hören das es schon einer Stunde an einer Aufgabe arbeitet und er nun von vorne anfangen darf. Sie nehmen auch vor neuen Leuten keinen Halt. Wenn ein Spiel von Killern beherrscht wird dann wird es auf "natürlichen" Wegen dazu kommen, das neue Spieler das Spiele verlassen werden, da es keinen Spaß macht mit einer Kuchengabel gegen das Schwert der Halbwahrheiten anzutreten. Diese Spieler versuchen auch das Monopol im Warenhaus zu kommen, damit jeder bei ihnen kaufen muss.

Die Explorer
Der Explorer, zu Deutsch Kundschafter, spielt das Spiel um versteckte Orte, Monster oder auch Mechaniken zu finden. Diese Leute lieben es mit dem vom Entwickler gestellter Welt alles auszuprobieren was ihnen in den Sinn kommt. Und Spiele Macher lassen sich immer neue Sachen einfallen die entdeckt werden wollen. Diese Art will dunkle Ecken und Dungeons finden und ist meist auch an der Geschichte der Welt interessiert. Es sind solche Leute die Bugs( also Programmierfehler) oder Easter Eggs( Lustige Sachen oder Referenzen auf andere Spiele) finden und auch Spielmechaniken erkunden, wie Upgrade Systeme für Waffen und vieles mehr. Die anderen Spielergruppen profitieren immer von ihrer Arbeit, da sie oft auch Killer oder den später genannten Achievern hilft ihr Spiel zu verbessern, da vielleicht jemand eine coole Combo mit Zaubersteinen gefunden hat. Diese Spieler haben selten die Ambitionen das Spiel zu bezwingen. Sie wollen einfach jede Ecke sehen und stören sich nicht daran wenn Sie von Killern getötet werden, da sie negative Aspekte des Todes sie nicht interessiert.

Der Achiever
Der Achiever liebt High Scores erst dann wenn sein Name in den Top 10 ist. Er spielt um der stärkste zu werden, die beste Ausrüstung zu bekommen oder alle Achiements frei zu schalten. Für diese Art von Spielern gibt es New Game +( ein Modus wo man das Spiel erschwert nochmals Spielt, aber mit seinem ganzem Zeug vom vorherigen Spiel) oder die ewig lange Liste an Achievments in World of Warcraft. Etwas erreichen, eine Legende werden, das ist ihr Ziel. Und sie gehen über alles um das zu erreichen. Hat man viele Achiever in einem Spiel so sinkt die Zahl der Killer, die nur so gutes Equipment haben um die durchschnittlichen Spieler zu knechten aber niemanden der eine Legende in einem Spiel ist. Dafür Farmen sie nicht genug. ( Farmen nennt man in Videospielen als allgemeine Ressourcenbeschaffung. Zum Beispiel gute Waffen suchen bei niedriger Erfolgschance).

Der Sozializer
Sozializer sind Menschen die einfach nur Reden wollen. Sie treffen sich meistens in Gilden oder auf den lokalen Marktplatz um Gespräche zu führen. Es sind auch diese Spieler die Neueinsteigern helfen, einfach um neue Leute kennen zu lernen. Es sind sehr soziale Individuen die das komplette Gegenteil zum Killer bilden. Hat man viele Sozializer so führt das zu noch mehr von ihnen. Und sie ist die einzige Gruppe die auf keine andere Einfluss nimmt. Doch Killer können ihre Anzahl verringern, da niemand während eines Gespräches gerne von hinten Erdolcht wird.

Man kann in mehrere Gruppen gleichzeitig sein oder mal hin und her springen aber es gibt auch Menschen die bleiben die ganze Zeit in einer Gruppe, da sie sich dort wohlfühlen oder etwas ausleben können was sie in der echten Welt nicht können. Der wenig wohlhabende Mann kann in dieser Welt die Spendierhosen anhaben. Eine Frau die auf Arbeit schikaniert wird kann an anderen im Spiel sich abreagieren und Menschen die vielleicht zu schüchtern oder andere Probleme im Sozialen haben können frei reden, denn haben sie Panik können sie mit einem Knopfdruck aus der Situation.
Man sieht hier schon die Psychologie die im Game-Design benötigt wird, doch kommen wir nun zur Créme dé là Créme der Videospieler und das ist der Tasterturakrobat, erfunden von mir.

Jeder kennt diesem Typ vom Spieler, er ist definitiv ein Killer, da er asozial ist. Er liebt es andere zu Beleidigen (bekannt als Flamen) oder verhält sich auf Grund seiner Übermacht sehr asozial und arrogant. Doch woher kommt das? Niemand wird als Arschloch geboren, außer man hat eine angeborene Anti-Sozialstörung. Diesen Menschen fehlt jede Empathie, der Volksmund nennt sie auch Psychopathen.
Doch was wenn ich euch Erzähle das jeder Mensch diese Züge hat und nur Erziehung und soziales Umfeld uns vor so einem Schicksal schützt?

Die Dunkle Triade
Das Konzept wurde von den kanadischen Psychologen Delroy L. Paulhus und Kevin M. Williams im Jahre 2002 geprägt. Sie beschrieben die Persönlichkeitsmerkmale Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie und ihre Zusammenhänge. Zur Erklärung:
1. Psychopathie: der Andere als Objekt, das Fehlen jeglicher Empathie. Sie besitzen meist kein Gewissen und habe eine hohe Impulsivität
2. Narzissmus: der Andere ist da, um mich zu bewundern, sehr Risikoreich, denkt er verdient Ruhm
3. Machiavellismus: der Zweck heiligt die Mittel, nach einem römischen Politiker benannt der sehr Skrupellos war, kein Opfer ist zu groß um sein Ziel zu erreichen.
Und erkennt ihr euch wieder? Jeder hat so gedacht,doch was hält uns ab uns so zu Verhalten? Ganz einfach und auch nicht. Es ist die Welt. Wenn ich jedem sein Zeug nehme, zusammenschlage und ausnutze wird es nicht lange dauern dann habe ich einen Mob zuhause dir mir böses will, zurecht. Es sind die sozialen Konsequenzen die wir fürchten oder unsere Erziehung hat uns stark geprägt. Doch die Tendenzen dafür sind in jedem von uns. Und das wir so handeln hat die Online-Welt schon zu genüge gezeigt. Hier ein Paar Beispiele:
1. Serenity Now
Im Jahr 2006 ist der Spieler Fayejin gestorben. Er war World of Warcraft Spieler. Seine Gilde veröffentlichte einen Aufruf im Forum das man doch eine Beerdigung machen sollte und jeder sei eingeladen. Die Zeremonie fand in einer "umkämpften Zone" statt, sodass jeder jeden angreifen konnte. Und dies tat die Gilde Serenity Now. Viele trugen keine Rüstung oder Waffen, da niemand so etwas erwartet hatte. Die Schlacht war kurz und blutig. Serenity Now hatte das Gebiet erobert doch zu welchen Preis? Ich denke nicht das der Gilden Leiter noch irgendwo nochmals den Erfolg haben wird. Ein klarer Fall von Machiavellismus und Psychopathie, da kein Opfer zu groß und Empathie fehl am Platz war. Und hier sehen wir das Moral subjektiv ist, denn für mich ist diese Aktion unvorstellbar und ich denke nicht das die Gilde das im echten Leben tun würde. Doch durch die Anonymität des Internets hatten sich keine Angst vor den sozialen Echo das diese Aktion verursachen würde.

2. MMR Boosting mit Scripten
Gehen wir vom Rollenspiel in die Kampfarena. In MOBA( englisches Kürzel für mobile Online Kampf Arena) gibt es die MMR, das Match Making Ranked, das euch anzeigt wo ihr im Vergleich mit anderen steht. Eine hohe MMR ist gut und eine niedrige ist schlecht. In diesem Spielen ist die MMR wie euer Statussymbol und so gibt es Spieler die Accounts kaufen mit einer hohen MMR die sie nicht selber erreicht haben. Und dann gibt es noch die die sie hochspielen. Das sind oftmals gute Spieler die so ihren Lebendsunterhalt verdienen, aber auch Hacker die mittels Scripts die Spiele gewinnen um dann die Accounts zu verkaufen. Interviews mit Scriptern aus den League of Legends Bereich sind auf Youtube verfügbar. Den Käufern geht es um den Ranglistenplatz des Accounts ( Narzissmus), denn bei den besten 2% zu spielen bei knapp 100 Millionen aktiven Spielern(Stand 2013) ist ein guter Ego Schub und man wird niemals kritisiert wenn man mit seinen Freunden spielt da man ja auf dem Papier besser sei.
Die Tendenzen für maximales asoziales Verhalten ist in uns allen, doch ob und wie wir es rauslassen entscheiden wir.
Also seit kein Arschloch und handele so wie im echten Leben auch wenn die Welt nicht real ist.
Lasst euch nicht ärgern.
Felix „Gemüsedealer“ Franke


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